Richtwerte · Juni 2026 · 5 Min.
DMB Betriebskostenspiegel 2024: Was ist normal?
Der Deutsche Mieterbund (DMB) veröffentlicht jährlich den Betriebskostenspiegel — eine Auswertung realer Nebenkostenabrechnungen in Deutschland. Er zeigt Durchschnittswerte und Höchstwerte für alle umlagefähigen Kostenarten pro Quadratmeter und Monat.
Die wichtigsten Richtwerte 2024 im Überblick
| Kostenart | €/m²/Monat | Jahr, 75 m² |
|---|---|---|
| Heizung + Warmwasser | 1,32 € | 1.188,00 € |
| Heizung + Warmwasser (Höchstwert) | 2,18 € | 1.962,00 € |
| Wasser + Abwasser | 0,29 € | 261,00 € |
| Grundsteuer | 0,18 € | 162,00 € |
| Müllbeseitigung | 0,16 € | 144,00 € |
| Hausmeister | 0,21 € | 189,00 € |
| Versicherungen | 0,31 € | 279,00 € |
| Gebäudereinigung | 0,21 € | 189,00 € |
| Aufzug | 0,20 € | 180,00 € |
| Gartenpflege | 0,15 € | 135,00 € |
| Allgemeinstrom | 0,06 € | 54,00 € |
| Straßenreinigung | 0,04 € | 36,00 € |
| Schornsteinreinigung | 0,04 € | 36,00 € |
| Sonstige Betriebskosten | 0,07 € | 63,00 € |
| Gesamt (Durchschnitt) | 2,67 € | 2.403,00 € |
Hinweis: Liegt Ihre Abrechnung deutlich über dem Durchschnitt, lohnt sich eine genauere Prüfung. Wichtig: Eine Abweichung nach oben ist ein Anlass zur Nachfrage, kein Beweis für einen Fehler — warum, erklärt der Abschnitt zu den Grenzen weiter unten.
Wie nutze ich die Richtwerte?
Multiplizieren Sie den €/m²/Monat-Wert mit Ihrer Wohnfläche und mit 12 — das ergibt den erwarteten Jahresbetrag für Ihre Wohnung. Beispiel: Der Gesamtdurchschnitt von 2,67 €/m²/Monat bedeutet für eine 75-Quadratmeter-Wohnung rund 2.403 Euro im Jahr, also etwa 200 Euro im Monat.
Für einzelne Positionen funktioniert die Rechnung genauso. Liegt ein Posten deutlich über dem erwarteten Wert, ist das der Punkt, an dem Sie Belegeinsicht verlangen sollten — nicht, um sofort zu widersprechen, sondern um nachzuvollziehen, wie der Betrag zustande kommt.
Was sich gegenüber dem Vorjahr verändert hat
Der Betriebskostenspiegel für das Abrechnungsjahr 2024 wurde am 18. Dezember 2025 veröffentlicht. Gegenüber dem Abrechnungsjahr 2023 sind die durchschnittlichen Betriebskosten um mehr als sechs Prozent gestiegen. Fallen in einem Gebäude sämtliche denkbaren Betriebskostenarten an, kann die sogenannte zweite Miete laut DMB bis zu 3,68 €/m²/Monat betragen.
- Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung ergaben sich beim Anfallen aller Betriebskostenarten durchschnittlich 3.532,80 Euro für das Abrechnungsjahr 2024.
- Das sind 508,80 Euro mehr als im Vorjahr — bei unveränderter Wohnung und unverändertem Verhalten.
- Treiber sind vor allem die Energiepreise sowie die CO2-Abgabe, die fossile Energieträger zusätzlich verteuert.
- Gegenläufig entwickelte sich eine einzige Position: Antenne und Kabel sanken um rund 42 Prozent, weil das sogenannte Nebenkostenprivileg zum 1. Juli 2024 weggefallen ist.
Die Grenzen des Betriebskostenspiegels — ehrlich betrachtet
Der DMB-Betriebskostenspiegel ist ein bundesweiter Durchschnitt. Er unterscheidet nicht nach Region, Gebäudegröße oder Ausstattung. Das macht ihn zu einem guten ersten Anhaltspunkt, aber zu einem schlechten Beweismittel — und wer ihn als Beweis benutzt, verliert im Zweifel die Diskussion mit dem Vermieter.
Ein Blick ins Ausland zeigt, wie es sonst gemacht wird: In Südkorea veröffentlicht ein staatliches Portal die Nebenkosten offenlegungspflichtiger Wohnanlagen, und Bewohner können ihre Kosten Position für Position gegen ähnlich große Anlagen stellen. In Japan weist die Wohnungseigentumserhebung des Ministeriums die Werte nach Einheitenzahl, Geschosszahl und Objekttyp getrennt aus. Verglichen wird dort also gegen eine Vergleichsgruppe, nicht gegen einen Landesdurchschnitt.
- Regionale Unterschiede: Die Grundsteuer liegt in Großstädten mit hohen Bodenrichtwerten regelmäßig deutlich über dem Bundesdurchschnitt, ohne dass ein Abrechnungsfehler vorliegt.
- Gebäudegröße: Fixkosten wie Hausmeister oder Versicherungen verteilen sich in großen Häusern auf mehr Parteien — pro Quadratmeter sinkt der Anteil.
- Ausstattung: Ein Aufzug, eine Tiefgarage oder ein gepflegter Garten erzeugen Kosten, die in einem Haus ohne diese Ausstattung schlicht nicht anfallen.
- Verbrauch: Heizkosten hängen stark vom energetischen Zustand des Gebäudes ab, nicht nur vom eigenen Heizverhalten.
- Abrechnungszeitraum: Ein besonders kalter Winter verschiebt die Heizkosten aller Haushalte nach oben.
Hinweis: Praktische Folge: Eine Abweichung nach oben ist ein Grund, Belege anzufordern — nicht mehr und nicht weniger. Erst wenn sich aus den Belegen keine sachliche Erklärung ergibt, wird daraus ein begründeter Einwand.
Häufige Fragen zum Betriebskostenspiegel
- Woher stammen die Daten? Vom Deutschen Mieterbund, ausgewertet aus bundesweit eingereichten realen Abrechnungen. Die Ausgabe für das Abrechnungsjahr 2024 wurde am 18.12.2025 veröffentlicht.
- Warum gibt es keine Werte für meine Stadt? Auf Stadt- oder Kreisebene existieren in Deutschland keine belastbaren Betriebskostendaten. Was dort veröffentlicht wird, sind Mietspiegel — die bilden die Kaltmiete ab, nicht die Nebenkosten.
- Ist eine Abweichung nach oben ein Beweis für einen Fehler? Nein. Sie ist ein Anlass, Belegeinsicht zu verlangen (§ 259 BGB). Diesen Anspruch haben Sie ohne Angabe von Gründen.
- Muss ich zahlen, wenn ich die Abrechnung anzweifle? Ja — und zwar zuerst. Zahlen Sie unter Vorbehalt und widersprechen Sie parallel. Wer nicht zahlt, riskiert Verzugszinsen und im Extremfall die Kündigung, unabhängig davon, ob der Widerspruch später Erfolg hat.
- Wie aktuell sind die Werte auf dieser Seite? Sie stammen direkt aus der Konfiguration, mit der auch unsere Prüfung rechnet. Ratgeber und Prüfbericht können deshalb nicht auseinanderlaufen.
- Ist NebenkostenRadar unabhängig? Ja. Keine Verbindung zu Vermietern, Hausverwaltungen, Messdienstleistern oder Immobilienunternehmen. Wir verkaufen ausschließlich die Prüfung an Mieter.
Hinweis: Zahlung unter Vorbehalt: Schreiben Sie bei der Überweisung 'Zahlung unter Vorbehalt der Überprüfung' in den Verwendungszweck. Damit erhalten Sie sich den Rückforderungsanspruch, ohne in Zahlungsverzug zu geraten.
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